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Kunstrecht studieren

Wie kann man sein Studium auf das Kunstrecht hin planen? Wie spezialisiert man sich für den Kunsthandel? 2 Interviews:

Prof. Dr. Erik Jayme, Heidelberg

"Wie wird man Fachlektor in einem Verlag?"
Interview mit Stefan Simonis, NOMOS Verlag, Baden-Baden

 

Herr Simonis, was ist überhaupt das Arbeitsfeld eines Lektors?
Es gibt das Klischee des Lektors in seinem stillen Kämmerlein mit Unmengen zu lesender Bücher - und da ist schon etwas drann. Natürlich muß man vieles an- oder querlesen und durcharbeiten. Das ist aber nur der eine Teil der Arbeit.
Sie müssen auch noch Kontakte mit den Herausgebern wissenschaftlicher Werke halten, Gespräche mit Autoren führen, neue Projekte aquirieren. Dazu gehört natürlich auch die unangenehme Aufgabe, einem Autor möglicherweise eine Absage für ein Projekt mitzuteilen.
Außerdem müssen Vertragsverhandlungen durchgeführt werden: Wann, in welchem Umfang und in welcher Reihe wird ein Werk plaziert? Wie sind die Konditionen? Eventuell müssen Neuauflagen initiiert werden. All das erfordert Absprachen mit der Verlagsleitung, der Druckerei und den Satzbüros, die Koordinierung von Terminen.
Still ist es im Kämmerlein also höchst selten!

Wie sieht der Arbeitsmarkt für Lektoren in juristischen Fachverlagen aus?
Es tun sich derzeit immer neue Felder auf, weil sich die Fachliteratur immer stärker spezialisiert. Ein Themengebiet, das sicherlich wachsen wird, ist der "business to business"-Bereich.
Der Markt wird gleichzeitig aber auch enger, weil die Verlage enger zusammenrücken und jede Fusion immer Möglichkeiten zur Synergie bringt - und damit Arbeitsplätze in Frage stellt.

Welche juristischen Qualifikationen werden gefordert?
Man muß zunächst unterscheiden, ob der jeweilige Verlag eher wissenschaftliche Bücher veröffentlicht oder Bücher für die Praxis.
Bei den praxisorientierten Verlagen erfolgt die spartenspezifische Auswahl nach der Praxiserfahrung. Wenn sie etwa in das steuerrechtliche Referat wollen, sollten sie zum Beispiel vorher als Steuerberater gearbeitet und möglichst auch promoviert haben. Für Leute, die frisch von der Uni kommen, ist dies also eher schwierig. Man beginnt in der Regel als Lektoratsassistent mit typisch redaktionellen Arbeiten.
Bei den wissenschaftlichen Verlagen muß auch eine entsprechende fachliche Qualifikation nachgewiesen werden. Für Berufseinsteiger ist es hier aber leichter, weil praktische Kenntnisse eben keine so große Rolle spielen.
Hier bei Nomos begann ich eher in einer Art Querschnittslektorat und betreute auch fächerübergreifende Bücherreihen.
Daneben sind Kenntnisse im Verlags- oder Wettbewerbsrecht natürlich nicht hinderlich. Sie werden aber kaum ausdrücklich gefordert, denn hier gilt - wie bei allen etwas exotischen Berufsfeldern - learning by doing.

Die Verlage stürzen sich ja zum Teil vehement auf die neuen Medien. Welche Chancen bieten sich dadurch für den Nachwuchs?
Das ist sicherlich ein guter Bereich. Die ideale Verbindung liegt in der Verknüpfung von juristischer Fachausbildung und speziellen Kenntnissen in Informatik. Gerade für die Leitungsfunktionen werden immer wieder Leute gesucht, die sich in beiden Bereichen auskennen und diese im Rahmen neuer Projekte verbinden.
Hier gilt wie in vielen Bereichen: wer die computertechnische Umsetzung von Themen beherrscht oder auf diesem Feld Ideen hat, ist sicherlich ein willkommener Kandidat.

Was muß man darüber hinaus können?
Man muß eine hohe Flexibilität mitbringen, ebenso eine ausgeprägte individuelle Ausdrucksfähigkeit neben einer guten Allgemeinbildung. Organisationstalent sollte nicht fehlen.
Unabdingbar ist auch eine gewisse Menschenkenntnis, also die Fähigkeit, sich in andere - Autoren oder das Fachpublikum - hineinzuversetzen.

Inwieweit kann ein Lektor auch eigene Ideen umsetzen, etwa neue Buchprojekte?
Das hängt unter anderem von der Größe des Verlages ab, man ist da ein wenig in Gottes Hand. Es gibt eine Reihe von mittelständischen Unternehmen, in welchen die Hierarchien relativ flach verlaufen und man größere Freiheiten hat. Aber: alle Verlage suchen verstärkt spartenspezifisch, also etwa für das Baurecht, und nicht mehr den Generalisten. Entprechend ist einem im Produktionsablauf eine bestimmte Funktion zugewiesen.

Empfiehlt sich ein Praktikum in einem Verlag?
Unbedingt! Wer sich dafür interessiert, sollte sich direkt an die Verlage oder auch an den Börsenverein des deutschen Buchhandels wenden. Gerade der Börsenverein ist eine gute Adresse, denn er betreut die meisten Verlage als Verband und bietet auch spezielle Veranstaltungen für Lektoren an.
Was man bei so einem Praktikum macht, ist sehr unterschiedlich. Eine Möglichkeit ist, sich projektbezogen zu bewerben und beispielsweise als Korrekturassistent zu arbeiten, etwa bei großen Werken Korrektur liest, synoptische Funktionen wahrnimmt oder redigiert. Gerade bei den großen Verlagen lohnt sich immer eine Anfrage. Als hilfreich kann sich auch der Kontakt über einen Lehrstuhl erweisen, wenn irgendwo eine Redaktionsarbeit fällig oder ein Stichwortverzeichnis zu erstellen ist.

Gibt es Referendariats-Plätze im Lektorat?
Bei Nomos nicht, und ich glaube auch nicht, daß das bei mittelständischen Unternehmen Sinn macht. Die Justizprüfungsämter würden das wohl auch kaum unter juristischen Aspekt anerkennen. Wenn überhaupt, bieten sich die großen Medienkonzerne mit eigener Rechts- und Lizenzabteilung an.

 

ZUR PERSON
Stefan Simonis arbeitete zum Zeitpunkt des Interviews beim Nomos Verlag, Baden-Baden, als Lektor und entwarf dort Programmstrukturen.
 © 2004 Andri Jürgensen, Kiel  |  Impressum